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Arbeitnehmer 50+ – ein unschätzbares Kapital!

Weshalb Unternehmen ältere Arbeitnehmer brauchen.

Ende April 2015 beschloss eine nationale Konferenz um Bundesrat Schneider-Ammann Massnahmen zur Förderung älterer Arbeitnehmer. Weshalb sind solche Massnahmen notwendig? Was haben ältere Arbeitnehmer zu bieten? Und wie können Arbeitgeber zur Verbesserung der Situation beitragen? 

Wir werden älter, wir werden weniger. Qualifizierte Arbeitskraft wird knapp. Trotzdem haben es Arbeitslose über 50 heute schwer, eine neue Stelle zu finden. Eine nationale Konferenz unter der Leitung von Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat deshalb Ende April verschiedene Massnahmen zur Verbesserung der Situation älterer Arbeitnehmer beschlossen. Unter anderem sollen „[…]die Potenziale älterer Mitarbeitenden […] aufgezeigt werden.“

Ein Bewusstsein für das eigene Potenzial brauchen aber auch die Arbeitnehmer selbst. Personen über 50 dürfen ihr Alter nicht als Nachteil im Arbeitsmarkt sehen. Sie haben viel zu bieten, das jüngere Mitbewerber nicht haben.

Welche Vorteile bringen ältere Arbeitnehmer?

  • Wertgewinn: Das Vorurteil, ältere Arbeitnehmer seien teurer, stimmt nicht zwangsläufig. Ihre Erfahrung hilft oft dabei, Kosten einzusparen. Zudem bringen Marktkenntnisse und Kundenkontakte älterer Mitarbeitenden neue Werte für das Unternehmen.
  • Glaubwürdigkeit: Sie erschliessen neue Kundengruppen (u.a. die kaufkräftige Generation 50+) und sind entsprechend glaub- und vertrauenswürdige Ansprechpersonen.
  • Überblick: Ältere Menschen können besser strategisch denken und haben ein stärker ganzheitliches Verständnis der Arbeit. Dieser Überblick hilft, auch in Krisensituationen einen kühlen Kopf zu bewahren.
  • Anwesenheit: Personen über 50 haben ein geringeres Freizeitunfallrisiko und sind in der Regel seltener krank als jüngere Arbeitnehmer.
  • Leistungsfähigkeit: Zwar gibt es im Alter einen Wandel der Leistungsfähigkeit, es kommt aber zu keinem Leistungsabfall. Auffassungsgabe und Konzentrationsfähigkeit bleiben erhalten, soziale Kompetenzen wie z.B. Teamfähigkeit nehmen sogar zu.
  • Stabilität: Ältere Menschen sind in ihrem Leben gefestigt. Die Familienplanung ist abgeschlossen und sie ziehen weniger oft um. Durch diese Stabilität verhalten sie sich gegenüber dem Arbeitgeber loyaler.

Inwiefern muss bei Arbeitgebern ein Umdenken stattfinden?

Nebst den Vorteilen geht es auch um Diversity im Unternehmen. Der Diversity-Ansatz besagt, dass Teams dann besonders erfolgreich sind, wenn sie aus unterschiedlichen Persönlichkeiten, Kulturen und Altersklassen zusammengesetzt sind.

Auch können gemäss Diversity-Philosophie nicht alle Mitarbeiter und Bewerber über einen Kamm geschoren werden. Rekrutierungs- und Personalmarketing-Massnahmen, die traditionell auf Absolventen und Young Professionals ausgerichtet sind, erreichen die Kandidaten über 50 eher nicht. Es ist deshalb wichtig, spezielle Massnahmen für diese Zielgruppe zu entwickeln und sich zu fragen, wo man sie erreicht.

Dasselbe gilt für die Mitarbeiterbindung, insbesondere die Weiterbildungsaufwendungen. Früher haben Unternehmen vor allem in die jüngeren Mitarbeiter investiert, die dann ihr gesamtes Arbeitsleben in der gleichen Firma verblieben. Heute sind oft die älteren Mitarbeiter loyaler und ebenso lernbereit wie die Jungen. Um ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten, ist es zwingend notwendig, weiter in sie zu investieren.

Ältere Arbeitnehmer, die Wissen und Erfahrung angesammelt haben, sind also ein unschätzbares Kapital – und darauf sollte man gut aufpassen! Unsere Regierung hat dies erkannt und es ist wichtig, dass die Massnahmen der nationalen Konferenz nicht zum Papiertiger verkommen.

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Categorised in: Allgemein, Schweiz

6 Responses »

  1. … durch eine frühere Arbeitskollegin bin ich auf diesen Artikel aufmerksam geworden. Spannend – und ich frage mich natürlich, wie Mercuri Urval gegenüber ihren Mandanten diese Erkenntnis lebt und fördert.

    Gespannt erwarte ich Ihre Rückmeldung.
    Freundlich grüsst
    Gregor Dietrich

    • Vielen Dank für Ihre Rückmeldung und das Interesse an der Thematik. Die Consultants von Mercuri Urval achten bei der Selektion auf die Qualifikationen der Kandidaten, nicht auf das Alter. Wichtig ist, dass die Persönlichkeit zum Unternehmen und der ausgeschriebenen Stelle passt. So argumentieren wir auch gegenüber unseren Mandanten. Intern lebt Mercuri Urval ebenfalls den Ansatz der Diversity. So findet man bei uns Beraterinnen und Berater aller Altersklassen.
      Freundliche Grüsse
      Sabine Vonlanthen

  2. Ein volkswirtschaftlich wichtiges Thema, das leider in den meisten Personalabteilungen aber auch in der Politik noch nicht wirklich angegangen wird.

    Die Abzüge für die Pensionskassen verhindern viele, über 50-Jährige anzustellen und ziehen junge, billigere Arbeitnehmer vor; aber auch die Meinung, dass der Lohn während einer Berufskarriere immer kontinuierlich steigen sollte, obwohl die Lebenshaltungskosten nach dem Auszug der Kinder aus dem Familienhaushalt wieder sinken wird.

    • Besten Dank für Ihren Kommentar
      Es ist wie Sie sagen durchwegs ein politisches aber ebenso ein gesellschaftliches Thema. Wir haben alle in unseren Köpfen, dass es grundsätzlich Karrieremässig und auch salärmässig stetig gegen oben gehen sollte. Auch ein ganz bewusster Karriererückschritt und Saläreinschnitt kann für jemanden 50+ Sinn machen.
      Das mit dem Auszug der Kinder hingegen wird wohl immer wieder schwieriger werden, da sehr viele Paare auch später Kinder kriegen und so bis 60+ auf ein entsprechendes Salär angewiesen sind.
      Viele Spannungsfelder in diesem Thema drin!
      Peter Anderegg

  3. Ich gehöre zur Kategorie der ü50 und habe am eigenem Leib erfahren müssen, wie achtlos und wenig wertschätzend das anscheinend so unschätzbare Kapital behandelt wird.

    Meine Erfahrung ist, dass Dossiers von Stellensuchenden 50+ bereits in der ersten Selektion trotz aktuellstem Ausbildungsstand und erfolgreichem Track Record ausgeschieden werden. Da nützen dann all die Vorzüge und Qualitäten dieser Alterskategorie nichts, wenn sie nicht einmal die Chance erhalten, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.

    ” .. besser passende Dossiers erhalten, zu alt, zu teuer, zu wenig dynamisch…” alles Begründungen, mit denen ich offen konfrontiert wurde. Die Konferenz hat wahrlich einen weiten Weg vor sich, geht es doch letztlich darum, eine Grundhaltung unserer Gesellschaft (Jugendwahn) zu verändern!

  4. Als Niederlassungsleiter / COO eines bedeutenden international arbeiten Unternehmens in Zürich darf ich Ihnen mitteilen, das Ihre Ausführungen reines Wunschdenken sind. Im Zuge meiner Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung innert der Schweiz, lauten die schriftlichen Bewerbungsabsagen der Unternehmen wie folgt: “Sie sind zu alt”, “Sie sind zu teuer”, “Sie sind zu alt und zu teuer”, “Wir stellen keine Ausländer ein”.

    Im Zuge der Diskussion über die Bilateralen Verträge (EU-Schweiz) habe ich sämtliche Unternehmen, die solche Stellungnahmen abgegeben haben, der europäischen Kommission gemeldet.

    Wenn die Verantwortlichen dieser Schweizer Unternehmen der Meinung sind, weiterhin ohne ethische und moralische Grundsätze und Leitlinien arbeiten zu können, wird sich dies zwangläufig auf sie selbst auswirken.

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