It's all about people.

E-Recruiting – auf den richtigen Einsatz kommt es an

E-Recruiting Illu

Unternehmen, die ihren Rekrutierungsprozess durch elektronische Medien und Personalsysteme unterstützen, können damit die Daten- und Bewerberqualität erhöhen und die Bearbeitungszeiten und –kosten je Bewerbung senken. Allerdings macht dieses Instrument nicht für jedes Unternehmen Sinn und potenzielle Kandidaten können durch zu viele Fragen und Hürden abgeschreckt werden.

Höhere Qualität zu einem geringeren Preis! Welcher Unternehmer würde da nicht sofort zuschlagen? So ist es leicht erklärbar, warum manche Unternehmen viel Geld in überdimensionierte Bewerbermanagementsysteme investiert haben. Sie unterstützen Unternehmen von der Stellenausschreibung über die gesamte Kommunikation mit den Bewerbern bis hin zum Abschluss des Personalbeschaffungsprozesses. Was im Preis allerdings nicht enthalten ist, sind die versteckten Kosten für Bewerber, die sich durch die vielen Formalitäten haben abschrecken lassen und daher nie eine Bewerbung abgeschickt haben. Nicht jeder Bewerber ist bereit, sich durch etliche Formularbögen mit mehr als 50 Pflichtfeldern zu kämpfen.

E-Recruiting hat viele Facetten und beginnt bei der Ausschreibung von offenen Stellen auf der eigenen Unternehmens-Website, den Websites von Fachmedien oder der Nutzung von Online-Jobbörsen. Es umfasst aber auch den Einsatz von Social Media-Plattformen und mobilen Endgeräten, um in den Kontakt mit Kandidaten zu kommen. Bewerbermanagementsysteme unterstützen Unternehmen darüber hinaus dabei, die Daten der Kandidaten zu erfassen und zu bewerten, ehe es zum persönlichen Gespräch mit ihnen kommt. Für welche Lösung sich ein Unternehmen auch entscheidet: Es geht immer darum, Zeit und damit Geld bei der Stellenbesetzung und dem Auswahlprozess zu sparen.

Unternehmen sind dabei gut beraten, den Rekrutierungsprozess auch aus der Sicht der Kandidaten zu betrachten, denn Rekrutierung stellt ein Auswahlproblem auf beiden Seiten dar. Online-Jobportale machen Kandidaten auf Stellen aufmerksam, die sie früher gar nicht erst gefunden hätten. Das heißt, dass nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für die Kandidaten durch E-Recruiting mehr Auswahl als je zuvor besteht. Weil aber auch Kandidaten nur über ein begrenztes Zeitbudget bei der Suche verfügen, suchen sie die effizientesten Kanäle aus. Für große und namhafte Unternehmen wie die Lufthansa oder BMW, die aus einer Vielzahl an Bewerbern aussuchen können und bei denen die Anforderungen für viele Positionen vergleichbar sind, lohnt sich die Entwicklung eines IT-gestützten Vorauswahlsystems. Aufgrund der hohen Motivation vieler Kandidaten, für genau diese Unternehmen arbeiten zu wollen, stellen formale Hürden hier ein geringeres Problem dar. Für kleine oder weniger bekannte Unternehmen, die zudem noch eine Vielzahl von unterschiedlichen Positionen haben, lohnt es sich dagegen nicht, in ein solches System zu investieren.

Online-Jobbörsen wie Monster oder Stepstone sind bei Kandidaten nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil sie durch die entsprechenden Suchfunktionen in kürzerer Zeit mehr relevante Unternehmen finden und so mehr Bewerbungen verschicken können. Allerdings sind die Algorithmen der unterschiedlichen Portale nicht immer optimal. Wer etwa eine Stelle als Vertriebsleiter in der Automobilindustrie sucht, findet unter Umständen nicht die offene Stelle als Head of Sales eines als Automotive Zulieferer gelisteten Unternehmens. Die Personalverantwortlichen, die Anzeigen in Jobportalen schalten, sollten sich daher mit dem Suchverhalten und der Verschlagwortung von Schlüsselbegriffen auskennen, damit die ausgeschriebenen Stellen wirklich gefunden werden.

Social Media-Plattformen sind ein sehr gutes Tool, um interessante Kandidaten zu ermitteln und direkt zu kontaktieren. Die Kehrseite der Medaille sind die zum Teil sehr geringen Responseraten, die je nach Jobangebot bei 5 bis 30 Prozent liegen. Daher müssen zum Teil sehr viele Kandidaten ermittelt werden, um eine interessante Bewerberauswahl zu generieren. Je standardisierter jedoch die Ansprache ist, desto eher hat der Angesprochene das Gefühl, nur einer von vielen zu sein, was die Responserate noch weiter drückt. Mittelfristig könnten bessere Algorithmen dabei helfen, geeignete Kandidaten herauszufiltern und diese dann gezielt und individuell anzusprechen. Aktuell kann die Technik dies jedoch nicht leisten und der einzige Weg, wirklich Interesse für eine Vakanz zu generieren, führt über die telefonische Ansprache. Wir sind in der modernen Welt sehr geschult darin, die Vielzahl von standardisierten Werbebotschaften, die wir tagtäglich erhalten, auszublenden. In den seltensten Fällen werden wir jedoch direkt persönlich angesprochen. Genau hierin liegt der Unterschied der persönlichen Ansprache: Sie schafft Interesse, Vertrauen und Commitment.

Mobile Recruiting könnte dabei helfen, ein schon lange bestehendes Problem zu lösen: Einerseits schauen die Personen, die mit der ersten Vorauswahl von Interessenten betraut sind, oft nicht länger als eine halbe Minute auf einen Lebenslauf um zu entscheiden, ob ein Kandidat in die engere Auswahl kommt oder nicht. Andererseits stecken Bewerber oft mehrere Stunden in Bewerbungen, weshalb sie sich oft gar nicht erst in den Auswahlprozess einbringen, weil schon der erste Schritt viel Investment erfordert. Das hemmt die Dynamik im Markt erheblich. Mit sogenannten One-Click-Bewerbungen, mit denen der Kandidat Interesse signalisiert und sein Profil auf Xing oder LinkedIn freischaltet, könnte hier eine win-win-Situation für Unternehmen und Kandidaten entstehen. Vor allem bei den jüngeren, Smartphone-affinen Bewerbern, wird dieses Verfahren noch stark an Bedeutung gewinnen.

E-Recruiting wird sicher nicht das klassische Recruiting ersetzen, aber es kann Unternehmen und Kandidaten dabei helfen, schneller zueinander zu finden. Die eigentliche Auswahl – etwa wenn es darum geht herauszufinden, ob ein Bewerber die für eine bestimmte Position erforderlichen fachlichen und persönlichen Kompetenzen mitbringt und in das vorhandene Team passt – wird auch in Zukunft nur durch ein persönliches Gespräch erfolgen.

 

Tagged as: , , ,

Categorised in: Allgemein, Deutschland

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

css.php