It's all about people.

Generation Y – vom Talent zum Erfolgsfaktor

Generation_Y

Die zwischen 1980 und 1999 Geborenen werden als Digital Natives oder Generation Y bezeichnet. Sie haben die ersten Karriereschritte bereits vollzogen oder stehen kurz davor, es zu tun. Die Generation Y ist anders sozialisiert als ihre Vorgänger und hat ganz eigene Vorstellungen von Beruf und Karriere. Unternehmen sind gut beraten, sich auf diesen Wandel einzustellen.

In Gesprächen mit jungen Arbeitnehmern der Generation Y staunt man immer wieder, mit welcher Selbstverständlichkeit Sätze fallen wie dieser: „Ich würde ohne Weiteres kündigen, wenn mich eine Arbeit langweilt. Dann werde ich eben arbeitslos und warte auf die nächste Stelle“. Solche Aussagen stoßen bei Vertretern der vorherigen Generationen oft auf Unverständnis und Ablehnung. Selbstbewusst, fordernd, kompromisslos, nach Selbstverwirklichung strebend sind einige der Attribute, die der Generation Y zugeschrieben werden. Das Verhalten der früheren Generationen war deutlich angepasster: Persönliche Bedürfnisse wurden hinten angestellt, das Pflichtgefühl für Arbeit und Arbeitgeber überwog, für die Karriere wurde ein Großteil des Privatlebens geopfert. Das strebt nur noch eine Minderheit der Generation Y an.

Diese Veränderungen werden häufig als Wertewandel, auf den sich die Unternehmen einstellen müssen, beschrieben. Ich bin der Meinung, dass es sich nicht wirklich um einen Wandel an Werten handelt, sondern eher um einen Wandel darin, wie schon immer gleiche Bedürfnisse eingefordert werden. Das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung sowie die Individualbedürfnisse nach Wertschätzung und Anerkennung hat Maslow schon vor 70 Jahren als sogenannte Wachstumsbedürfnisse definiert. Daran hat sich nichts geändert. Der Unterschied liegt in der Selbstverständlichkeit, mit der die Generation Y diese heutzutage einfordert.

In diesem Zusammenhang sind die Ergebnisse der im März 2017 veröffentlichten Gallup Studie sehr interessant. Jährlich veröffentlicht das Gallup Institut eine Studie zur emotionalen Bindung von Arbeitnehmern an ihr Unternehmen. In Zeiten guter Konjunktur und fehlender Fachkräfte unternehmen viele Arbeitgeber große Anstrengungen, um Mitarbeiter an sich zu binden. Dennoch stagniert der Anteil der Arbeitnehmer, die eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber aufweisen und dementsprechend mit Hand, Herz und Verstand bei der Arbeit sind, bei 15 Prozent. Ebenso viele Arbeitnehmer haben innerlich bereits gekündigt. 70 Prozent der Beschäftigten sind emotional gering gebunden und machen lediglich Dienst nach Vorschrift.

Eine mangelnde Bindung an den Arbeitgeber hat unmittelbare Auswirkungen auf die Produktivität und Innovationskraft von Arbeitnehmern. Aspekte der Bindung sind laut dieser Studie unter anderen: Anerkennung, als Mensch gesehen werden, lernen, sich entwickeln und tun, was man am besten kann. Letzteres hat mit der Entfaltung von Potential und damit von Talent zu tun – und meint nichts anders als Selbstverwirklichung. Seit 2001 veröffentlicht das Gallup-Institut diesen „Engagement Index“. Der Anteil der aktiv Engagierten, die herausragende Leistungen erbringen, betrug sowohl 2012 als auch 2016 nur 15 Prozent. Als eine der Hauptursachen für eine mangelnde Bindung an das Unternehmen werden dabei das Verhalten von Führungskräften und deren fehlende Offenheit für Ideen und Vorschläge gesehen.

Die Hauptansatzpunkte, um Arbeitsbedingungen zu schaffen, die mit den Bedürfnissen der Generation Y in Einklang stehen und somit eine emotionale Bindung an das Unternehmen fördern, sind vielfältig: Eine ausgeglichene Work-Life-Balance durch die Flexibilisierung von Arbeitszeiten und Arbeitsort (Home-Office-Lösungen), eine auf Kooperation und Mitsprache basierende Führungskultur sowie Wertschätzung und Respekt als zentrale Bestandteile der Unternehmenskultur, eine offene und transparente Kommunikation sowie multiple Möglichkeiten sich weiter zu entwickeln – auch jenseits der Karriereleiter.

Das Talent Management von heute sollte, anders als die programmatische Personalentwicklung von früher, ein individueller Prozess sein, bei der sowohl die Führungskraft als auch die Personalabteilung gezielt auf die individuellen Bedürfnisse und Talente eingeht. Einerseits um die Mitarbeiter entlang ihrer Fähigkeiten zu entwickeln, andererseits um sie länger an das Unternehmen zu binden. Emotionale Bindung wird im direkten Arbeitsumfeld erzeugt und den direkten Vorgesetzten kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Wer seine Talente heute nicht entwickelt und an sich bindet, wird sie schneller als früher verlieren. Laut aktuellem Engagement-Index beabsichtigen 84 Prozent der hoch gebunden, aber nur 31 Prozent der nicht gebundenen Mitarbeiter in drei Jahren noch bei ihrer jetzigen Firma zu sein – jeder Dritte von ihnen ist bereits heute aktiv auf Jobsuche. Und die gute Konjunktur kommt „Jobhoppern“ entgegen. Fast zwei Drittel der Befragten rechneten sich gute bis sehr gute Chancen aus, schnell einen neuen Arbeitsplatz zu finden, sollten sie heute ihren Job verlieren. Die Machtverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt haben sich gedreht. Früher suchten qualifizierte Bewerber nach Stellen, heute suchen Unternehmen händeringend nach qualifizierten Bewerbern. Der Wettbewerb um die besten Köpfe wird immer härter – 16 Prozent der Beschäftigten haben im vergangenen Jahr Angebote von Headhuntern erhalten. 2010 waren es nur 12 Prozent.

Eine Einstimmung auf die Forderungen der Generation Y kann viel ungenutztes Potential in Unternehmen auch bei den früheren Generationen hervorbringen. Eine Auseinandersetzung mit der veränderten Anspruchshaltung der Generation Y ist nicht nur eine Zwangsläufigkeit, weil wir angesichts der demographischen Entwicklung ohnehin keine Wahl haben (im Jahr 2020 entstammen bereits mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer der Generation Y), sondern eine Notwendigkeit für Unternehmen, um als Arbeitgeber attraktiv und als Unternehmen innovativ im globalen Wettbewerb zu bleiben.

Tagged as: , ,

Categorised in: Allgemein, Deutschland

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

css.php