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LEADERSHIP – Individuen im Team zum Erfolg führen

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Hockey-Bundestrainer Markus Weise, der mit seinen Teams drei Goldmedaillen bei Olympischen Spielen gewann, verriet den rund 100 Gästen bei einer Leadership-Veranstaltung von Mercuri Urval am 23. Mai bei der IHK Wiesbaden, worauf es bei der Führung von Teams ankommt. Und warum Pinguine keine Leiter hinauf kommen.

Die Mercuri Urval Berater Steffen Ehrke und Adrian Amon, beide ehemalige bzw. noch aktive Hockeyspieler, hatten Markus Weise, den ehemaligen Erfolgstrainer des Deutschen Hockey Bundes, für einen spannenden Vortrag in den historischen Räumlichkeiten der IHK Wiesbaden gewinnen können. Die geladenen Gäste, darunter viele Führungskräfte aus der hessischen Wirtschaftswelt, verfolgten gebannt Weises Ausführungen über die Unterschiede zwischen Erfolgs- und Leistungszielen, die Phasen einer erfolgreichen Teambildung, die Aufmerksamkeitslenkung der Spieler und Mitarbeiter sowie mentale Wettkampfstabilität. So berichtete er, wie sich das Hockey-Herrenteam vor London 2012 von einem zusammengewürfelten Haufen zu einem Team einschwor: Zunächst gab es eine Konfrontationsphase mit internen Machtkämpfen und persönlicher Rollenfindung, anschließend entwickelten sie in der Kooperationsphase  gemeinsame Werte und bauten Vertrauen als Gruppe auf, sodass sie schließlich zur Leistungsphase übergingen, in der sie zu 100 Prozent als Team an ihren Aufgaben arbeiteten.

Bei seinen Ausführungen ließ Markus Weise immer wieder gekonnt Erfahrungen von Sportikonen wie Basketballtrainer-Legende Phil Jackson und Eishockeystar Wayne Gretzky oder philosophische Betrachtungen von Johann Wolfgang von Goethe einfließen, um die Bedeutung von Teamführung und Förderung des Teamgeistes zu veranschaulichen. Durch Anekdoten aus seiner Trainerzeit und Videos lockerte er seinen Vortrag auf: So zeigte er sehr unterhaltsam auf, dass die Beschreibung „Pinguin“ für einen Spieler eine echte Kritik darstellt. Denn ein solcher Spieler schlägt lieber wild mit den „Flügeln“, um eine vermeintliche Fehlentscheidung beim Schiedsrichter zu reklamieren anstatt sich auf seine eigentliche Aufgabe im Team zu konzentrieren – und verspielt so den Erfolg. Um seine Mannschaft in solchen Situationen schnell wieder in die Spur zu bekommen, fand Weise zum Thema ungerechte Schiedsrichterentscheidungen daher sehr markige Worte: „Jungs, sch***t auf Gerechtigkeit, wir wollen drei Punkte!“ Es kommt also darauf an, stets auf das Ziel fokussiert zu sein und sich nicht durch Nebensächlichkeiten ablenken zu lassen.

An einigen Videosequenzen führte er zudem aus, wie der Unterschied zwischen „sich den Erfolg wünschen“ und „den Erfolg wollen“, Spieler von Charly Brown zu Superman verwandeln kann. An einer Szene des Halbfinales zwischen Deutschland und Australien in London 2012, bei der ein deutscher Spieler Sekundenbruchteile früher als sein australischer Gegenspieler bereit war, 5 Meter Laufweg zu „investieren“, um wenige Sekunden später das entscheidende Tor zum Finaleinzug zu erzielen, zeigte Weise, wie wichtig der Wille ist, konsequent auf der Handlungsebene zu bleiben – und nicht in Passivität zu verfallen.

Natürlich durfte auch die Episode um den Streit über die Rückreise von den Olympischen Spielen aus London nicht fehlen. Während des Turniers war es teamintern ein wichtiges Thema, ob die Mannschaft mit dem Schiff von London nach Hamburg zurückreisen darf. „Ich habe meiner Mannschaft im Vorfeld der Olympischen Spiele versucht rational – also gegen die Emotionen – zu erklären, warum es keine gute Idee ist, auf dem Schiff von London zurück nach Hamburg zu fahren. Was für ein dummer Fehler!“, so Weise augenzwinkernd. Nur um dann zu erläutern, dass man als Team nur erfolgreich ist, wenn man solche Themen in den entscheidenden Momenten wie dem Halbfinale und Finale in London 2012 ausblenden kann. Dass das besagte Kreuzfahrtschiff bei der Feier nach dem Olympiasieg arg in Mitleidenschaft gezogen, ist eine völlig andere Geschichte.

Dem Vortrag von Markus Weise schloss sich eine abwechslungsreiche Podiumsdiskussion an mit Albert Nußbaum, Geschäftsführer von Mercuri Urval Deutschland, Theo Baumstark, Wiesbadener Unternehmer sowie Sport- und Sozialförderer, und Olaf Bauer, Geschäftsführer der Agentur Zaechel International, die Hospitality- und Markenaktivierung im Sportumfeld bietet. Moderiert von IHK-Geschäftsführer Gordon Bonnet berichteten die Teilnehmer von ihren individuellen Erfahrungen zu Themen wie Teamführung oder Talentförderung von Mitarbeitern. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch interessante Gespräche mit alten und auch neuen Kontakten.

Markus Weise ist Diplom-Kaufmann und hat als Bundestrainer der Damen-Hockeynationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 und der Herren-Hockeynationalmannschaft in Peking 2008 und in London 2012 jeweils die Goldmedaille mit seinen Teams gewonnen. Deutschlands Trainer des Jahres 2011 verstand es, Erfolgs- und Leistungsziele mit seinem Team zu erarbeiten, die es bei den Olympischen Spielen dreimal Mal in Folge auf den Punkt abrufen konnte. Markus Weise wechselte 2015 zum Deutschen Fußball-Bund und ist seitdem für die Konzeptentwicklung der neuen DFB-Akademie verantwortlich.

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Categorised in: Allgemein, Deutschland

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