It's all about people.

Wenn der CEO von Bord gehen muss…

Chef_ueber_Bord

Die klassische Karriere von Managern kennt gemeinhin nur eine Richtung: nach oben! Doch immer öfter ziehen die Eigentümer und Aufsichtsräte von Unternehmen in den obersten Führungsetagen die Reißleine, wenn sich das Unternehmen nicht in die gewünschte Richtung entwickelt. Für viele Top Manager ist das eine ganz neue Erfahrung – aus der es die richtigen Schlüsse zu ziehen gilt, um einen erfolgreichen Neuanfang zu starten.

Wer hoch steigt, kann umso tiefer fallen. Das trifft jedes Jahr zahlreiche Führungskräfte, denn bei rund 40 Prozent der Top Manager, die ein Unternehmen vorzeitig verlassen, ist es das Unternehmen, das die Zusammenarbeit beendet. Dabei wird die Luft sprichwörtlich dünner, je weiter oben eine Position im Unternehmen angesiedelt ist. Denn Eigentümer und Aufsichtsräte neigen dann umso schneller dazu, sich von einem Manager zu trennen, wenn die geforderten Ziele nicht erreicht werden oder die Geschäftszahlen nicht wie erwartet ausfallen.

Nun ist im deutschsprachigen Raum – anders als etwa im anglo-amerikanischen Kulturkreis, wo immer noch das Prinzip des „Hire and Fire“ gilt – die Sicherheit des Arbeitsplatzes eines der höchsten Güter für Angestellte. Das gilt für alle Ebenen im Unternehmen und auch Top Manager machen da hierzulande keine Ausnahme. Der Verlust des Arbeitsplatzes wird oft als persönliche Abwertung verstanden, selbst wenn die gesteckten Ziele objektiv nicht erreicht wurden oder die Chemie mit Gleich- oder Höhergestellten offensichtlich nicht stimmte. Vielmehr erschüttert eine Kündigung gerade Führungskräfte, weil diese aus eigener Wahrnehmung sehr viel Kraft und Zeit in ihr Unternehmen und ihre persönliche Unternehmung investiert haben, in ihrem Bedürfnis nach Sicherheit und Anerkennung, die mit einer hohen Position im Unternehmen einhergeht. Dahinter steht der einfache Gedanke, dass voller Einsatz mit voller Sicherheit und hohem Gehalt vergolten wird. Während die Gehälter in den höheren Etagen der damit einhergehenden Verantwortung entsprechen, ist die Zeit der Sicherheit auch für Führungskräfte vorbei.

Für einen Geschäftsführer war es bis zur Jahrtausendwende nicht unüblich, dass er bis zur Rente in seiner Position verweilen konnte. Die rasante technische Entwicklung auf zahlreichen Gebieten hat seither jedoch fast alle Unternehmen erfasst und teils vor enorme Herausforderungen gestellt. Alte Geschäftsmodelle brachen weg und neue Konkurrenten erschienen über Nacht auf dem Markt und veränderten die Nachfrage nachhaltig – man denke an das Auftauchen von Smartphones, Online-Handel und aktuell Elektroautos. Heute dauert das durchschnittliche Arbeitsverhältnis eines CEOs im deutschsprachigen Raum nach Angaben der Strategieberatung Booz and Company nur noch sechs Jahre.

Die Geschäftsführer von heute sind also gut beraten, sich mit der Möglichkeit einer Kündigung auseinanderzusetzen, um im Falle eines Falles gedanklich darauf vorbereitet zu sein. Auch wenn es sich für viele Betroffene zunächst wie das Ende ihrer Welt darstellt, hilft es nichts, den Kopf in den Sand zu stecken oder in hektischen Aktionismus zu verfallen, sollte der Fall tatsächlich eintreten. Es wäre auch falsch zu erwarten, dass das in langen Jahren aufgebaute Netzwerk sofort eine Empfehlung hat oder die passende Lösung auf dem Silbertablett präsentiert. Unsere Erfahrung im Executive Search zeigt, dass es im Durchschnitt mehr als neun Monate dauert, bis ein Top Manager eine neue und zu seinen Qualifikationen passende Anstellung findet.

Für viele Manager ist die Kündigung zunächst ein Schock. Doch dieser sollte rasch überwunden werden. Ein Coaching kann dabei helfen, sich auf die eigenen Stärken zu fokussieren und das persönliche Profil zu schärfen. Wer sich bewusst macht, was er in der Vergangenheit geleistet hat, kann dies in Sondierungsgesprächen klar kommunizieren. Je besser das persönliche Profil auf die neue Stelle passt, desto größer ist die Erfolgschance beim Neuanfang. Wer sich dagegen möglichst viele Optionen offenhalten möchte, wird am Ende vielleicht keiner Rolle vollständig gerecht und schürt falsche Erwartungen.

Fazit: Führungskräfte und Top Manager sollten eine Kündigung, die zunächst eine fremdbestimmte Situation darstellt, als Chance begreifen. Schon zwei bis drei Jahre später bewerten fast alle Führungskräfte die Trennung als Glücksfall, da sie mit ihrer aktuellen beruflichen Situation zufriedener sind als dem goldenen Käfig, in dem sie sich zuvor unerkannt befunden haben.

Tagged as: , ,

Categorised in: Allgemein, Deutschland

1 Response »

  1. Hallo Herr Renk,
    ich habe mit großem Interesse Ihren Artikel gelesen. Er trifft voll und ganz zu. Auch habe jetzt zum 2. Mal dieses Erlebnis hinter mir uind bin den gleichen “Sondierungsweg” gegangen.
    Noch bin ich auf der Suche nach einer neuen Herausforderung…aber am langen Horizont scheint schon ein kleines Lichtlein.
    Mal schauen.
    Mich würde es freuen, wenn wir in Kontakt bleiben
    Beste Grüße
    Berthold Krebs

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

css.php